Eindrücke aus einem Praktikum im Büro Blienert

Veröffentlicht am 15.11.2016 in Wahlkreis

Für drei Monate absolvierte Tobias Schwabe, gebürtig aus Delbrück stammend, ein Praktikum im Berliner Bundestagsbüro von Burkhard Blienert. Zum Abschluss schrieb er seine Eindrücke über die Arbeit in einem Bundestagsbüro nieder.

Einblicke: Die Arbeit von wiss. Mitarbeitenden im Abgeordnetenbüro (von Tobias Schwabe)

Gerne wird sich in der Öffentlichkeit beklagt über das aufgeblähte Parlament in Berlin, dieses bürokratische Monstrum, diese Hundertschaften an Abgeordneten, deren Arbeit doch gut und gerne von der Hälfte, ach was, von einem Drittel der Leute übernommen werden könnte, glaubte man einigen Stimmen des äußeren politischen Spektrums.

Und tatsächlich: Ergibt sich einem als Außenstehender, etwa im Rahmen eines Praktikums, die Möglichkeit, für längere Zeit am parlamentarischen Alltag teilzuhaben, so tut man dies zunächst staunend: Wer sind sie, diese Menschenmassen, fragt man sich, die zwischen Paul-Löbe-Haus und Reichstag hin- und hereilen, zwischen dem Jakob-Kaiser-Haus an der Wilhelmstraße bis in die Liegenschaften Unter den Linden.

Ein Blick auf die Homepage des Bundestages schafft Abhilfe: Allein die 630 Abgeordneten beschäftigen in privatrechtlichen Arbeitsverhältnissen rund 4500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter 1700 wissenschaftliche. Im Schatten der medialen Präsenz ihrer Chefinnen und Chefs sind sie es, die die Arbeit der Institution Bundestag wie auch das politische Leben in Deutschland maßgeblich mitgestalten.

Nicht alle Abgeordneten leisten sich den Luxus einer Sekretärin oder eines Sekretärs, weshalb viele der Mitarbeitenden eine Doppelfunktion innehaben.

Als Büroleitende haben sie die Deutungshoheit über die Kalender der Abgeordneten. Sie koordinieren die Vielzahl an Terminanfragen, die die Mitglieder des Bundestags täglich erreichen, formulieren Zu- und Absagen sowie Antworten auf Bürgerbriefe und Autogrammkartenwünsche, reservieren Hotelzimmer, Flug- und Bahntickets, halten Rücksprache mit dem hauseigenen Fahrdienst und sind zuständig für alles, was darüber hinaus an organisatorischer Arbeit anfällt. Dazu gehört, sofern ihnen keine Praktikantinnen oder Praktikanten zur Seite stehen, das Bearbeiten der Stapel an Einladungen und Anschreiben, der unzähligen Zeitungen, Zeitschriften, Fachpublikationen und anderen Lektüren ungeklärter Provenienz, die die Postfächer der Abgeordneten füllen.

Daneben fungieren die Büroleitenden als Bindeglieder zwischen den Wahlkreis- und Bundestagsbüros sowie zwischen den Abgeordneten und der Fraktion. Finden im Wahlkreis Veranstaltungen statt, müssen im Voraus Rednerinnen bzw. Redner und andere Gäste angeworben, Informationsmaterialien zusammengestellt und, wohl mit dem größten Aufwand verbunden, Gelder beantragt werden. Dienstreisen der Abgeordneten im In- und Ausland bedürfen ebenfalls der Genehmigung (und finanziellen Unterstützung) der Fraktion.

Auch sind es die wissenschaftlichen Mitarbeitenden, die häufig Besuche von Gruppen aus dem Wahlkreis vorbereiten, koordinieren und vor Ort im Bundestag betreuen. Sie setzen sich mit den Anliegen der Bürgerinnen und Bürger auseinander und befassen sich in ihrer Arbeit so mit einem breiten Spektrum an politisch relevanten Themen.

Einen immer größeren Stellenwert nimmt dabei die Öffentlichkeitsarbeit ein. Diese erschöpft sich nicht in der Beantwortung von Bürgerbriefen: In Zeiten der zunehmenden Abwendung vom Parlamentarismus in Deutschland muss Politik aktiv erklärt werden. Dazu gehört neben der Veröffentlichung von Pressemitteilungen vor allem die Präsenz in den sozialen Netzwerken. Facebook- und Twitterprofile können genutzt werden, um in einem weniger staatragenden Rahmen auf Anliegen einzugehen und von aktuellen Projekten zu berichten.

Nun legt der Titel der Wissenschaftlichen Mitarbeitetenden nahe, dass sich die Tätigkeit als solcher nicht allein auf die Büroorganisation beschränkt.

So besteht der eigentliche Aufgabenbereich zu einem großen Teil in der inhaltlichen, wissenschaftlichen Zuarbeit für die Abgeordneten. Nicht selten treten diese, und im Zuge dessen auch ihre Angestellten, zu Beginn einer neuen Legislaturperiode in Ausschüsse ein, deren thematische Schwerpunkte nicht zu ihrem Fachgebiet gehören. Daher gilt es zunächst, sich in die verschiedenen Themengebiete einzuarbeiten. Fachpublikationen wollen studiert werden und auch der Austausch mit anderen Referentinnen und Referenten erleichtert vieles in der inhaltlichen Arbeit. Gleichzeitig sehen sich nicht nur die Abgeordneten, sondern auch deren Mitarbeitende mit einer Fülle von Anfragen und Einladungen von Wirtschaftsvertreterinnen und -Vertretern konfrontiert, deren Interessen im Laufe der Zeit erst sondiert werden müssen. Somit wird das wissenschaftliche Arbeiten ergänzt durch die Teilnahme an innerfraktionellen wie auch fraktionsübergreifenden Gesprächsrunden und anderen Formaten, die den Mitarbeitenden einen Rahmen geben, um über aktuelle Gesetzesvorhaben zu diskutieren und mögliche Probleme zu erörtern.

All das dient vor allem zur Vorbereitung und Information der Abgeordneten. Diese eilen gerade in den Sitzungswochen von Termin zu Termin, was der thematischen Einarbeitung nicht immer zuträglich ist. Daher kommt es hier auf die Vorarbeit ihrer Mitarbeitenden an, die im Vorlauf der Ausschusssitzungen oder zur Vorbereitung auf Gesprächstermine mit anderen Abgeordneten Materialiensammlungen zusammenstellen, sie sichten relevante Fachpublikationen und verfassen Vermerke. Sind die Abgeordneten Mitglieder in mehr als einem Ausschuss, haben ihre Mitarbeitenden in der Regel jeweils einen Fachbereich, auf den sie sich in ihrer Arbeit konzentrieren.

Zu den wichtigsten Aufgaben zählt schließlich die gemeinsame Arbeit an den Plenarreden. Steht eine Rede im Plenum an, verfassen die für den Fachbereich zuständigen Mitarbeitenden häufig einen ersten Entwurf. Im Austausch mit den Abgeordneten wird dann manches ergänzt, anderes gestrichen, hervorgehoben oder rhetorisch verfeinert. Auch, wenn die eigentliche Arbeit in den Ausschüssen stattfindet, ist die Bedeutung der Plenarreeden im parlamentarischen Alltag nicht zu unterschätzen. Dies gilt nicht nur im Hinblick auf die öffentlichkeitswirksame Gestaltung von Politik. Da alles, was im Plenum gesagt wird, Teil des Gesetzgebungsprozesses ist, müssen die Reden inhaltlich fundiert, Daten und Zahlen gewissenhaft recherchiert sein.

Zwar spiegelt dies nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Arbeitsalltag von wissenschaftlichen Mitarbeitenden, doch wird deutlich: Nicht nur als eines der 630 Mitglieder des Bundestages besteht die Möglichkeit, Politik aktiv zu gestalten. Vielmehr tragen diese in die Öffentlichkeit, was zuvor in langwierigen Arbeitsprozessen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hinter den Kulissen erarbeitet wurde. Erfolge wie Misserfolge werden dabei von den Abgeordneten getragen, allerdings ist auch der Karriereweg ihrer Mitarbeitenden in nicht geringem Maße mit dem Werdegang ihrer Vorgesetzten verknüpft. Scheiden die Abgeordneten zum Ende einer Wahlperiode aus dem Bundestag aus, so enden auch die Arbeitsverhältnisse ihrer Angestellten. Gleiches gilt jedoch für Aufstiege auf der Karriereleiter, sodass viele erfahrene Parlamentszugehörige über Jahre hinweg mit demselben Team zusammenarbeiten.

Dabei ist die Arbeit im Bundestag gerade für ambitionierte Berufseinsteigende mit wenig Berufserfahrung eine ideale Plattform, um Kontakte zu knüpfen und sich ein eigenes Netzwerk für die weitere berufliche Laufbahn aufzubauen. Dies trifft auch auf die vielen Praktikantinnen und Praktikanten und studentischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu, die darüber hinaus die einmalige Gelegenheit haben, ihre Studieninhalte im Arbeitsalltag des Bundestages anzuwenden.

 

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